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Beck: Nicht noch mehr Bahnlärm - Alternativtrasse auf den Höhen muss kommen PDF Drucken E-Mail
Dienstag, 13. September 2011 um 09:23 Uhr
Zurückgehende Bevölkerungszahlen, brachliegende Weinberge, leer stehende Gebäude und nicht zuletzt der alles übertönende Lärm des zunehmenden Schienengüterverkehrs – trotz Anstrengungen und Erfolgen in Sachen Tourismus steckt das Mittelrheintal in der Krise. Ein Masterplan soll Wege aus dem Dilemma aufzeigen. Beides, der Gesamtplan für das Weltkulturerbe als auch der Bahnlärm, beschäftigte rund 50 Sozialdemokraten von beiderseits des Rheins bei einer SPD-Mittelrhein-Konferenz in der Braubacher Barbarakirche. Mit dabei: Ministerpräsident Kurt Beck, der sich an dieser Stelle dezidiert für Lärmminderungsmaßnahmen an Zügen, Waggons und Schienensträngen einerseits aussprach, andererseits dafür plädierte, eine alternative Nord-Süd-Trasse der Bahn auf den Höhen von Taunus oder Hunsrück in den nächsten Bundesverkehrswegeplan aufzunehmen.

Das Weltkulturerbe Mittelrheintal darf nicht unter einer „Käseglocke“ stagnieren, sagte Beck. Die Entwicklung der Dörfer und Städte, von Industrie und Handwerk, müssten ebenso möglich sein wie der Tourismus, der Erhalt natürlicher Lebensgrundlagen, aber auch die Verbesserung der Lebenssituation der hier lebenden Menschen. Der Gesamtplan für das Weltkulturerbe, der im Januar 2013 vorgelegt werden soll, müsse all diese Aspekte berücksichtigen.

Was die Bahn links und rechts des Rheins angeht, so kann es nach Meinung Becks nicht sein, dass die Lärmbelastung bleibt oder sogar noch anwächst. Der Landeschef plädiert dafür, das „rollende Material“ und die Schienen lärmärmer zu machen. Höhere Nutzungsgebühren auf den Trassen für lautstarke Züge und Waggons können zudem Anreize schaffen, diese leiser zu machen.

Prinzipiell, so Beck, sei es richtig, in Zukunft mehr Güter von den Straßen weg aufs Wasser und auf die Bahn zu bringen. Dann sei es aber ebenso richtig, Antworten auf die drängende Frage zu geben, wie das Lärmproblem in den Griff zu kriegen ist. Eine weitere Verdichtung der Bahnverkehre im Rheintal sei zu befürchten, deshalb sei eine neue Nord-Süd-Trasse unabdingbar, die derzeit in der Schweiz bereits durch ein neues Tunnelsystem vorbereitet werde. Innen- und Strukturminister Roger Lewentz, der ebenfalls in Braubach anwesend war, habe bereits mit dem Schweizer Botschafter über das Projekt gesprochen, zusammen mit Baden-Württemberg sei eine gemeinsame Kabinettssitzung geplant, bei der dieses Thema in den Mittelpunkt gerückt werden soll. Beck: „Es lohnt sich, beide Ziele parallel voran zu treiben, die Lärmminderung und die neue Trasse.“

In der von David Langner moderierten Aussprache (auf dem Podium neben Beck und Lewentz auch Landrat Günter Kern, Carsten Göller, SPD Loreley, und Michael Maurer, SPD Rhein-Hunsrück) machte Maurer deutlich, dass in Sachen Bahnlärm „ganz tiefe Löcher“ zu bohren sein werden, denn eine Alternativtrasse über den Hunsrück sei zwangsläufig verbunden mit einer zweiten Hochmoselbrücke. Deshalb „brauchen wir unbedingt die Prüfung einer Trasse über den Taunus.“ Dazu Kurt Beck: „Ich bin nicht so skeptisch, was die neue Trasse angeht, weil wir diesbezüglich in einem internationalen Verbund eingebettet sind.“ Das Mittelrheintal jedenfalls „kann nicht noch weitere Verkehre aufnehmen“. Mit den Worten „Ich nehme diese Unterschriften ernst“ nahm Beck aus den Händen von Willi Pusch und weiteren Mitstreitern der Bürgerinitiative gegen Umweltschäden durch die Bahn einen Packen Lärm- und Erschütterungsprotokolle entgegen.

Quelle: Rhein-Lahn-Zeitung vom Montag, 12. September 2011, Seite 17
 

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